Fütterungskonzepte im Vergleich: Wie wirtschaftlich ist die Kombination aus Automatisierung und eigener Energie?

Stationäre Fütterung mit Photovoltaik und Batteriespeicher oder klassischer Selbstfahrer? Für landwirtschaftliche Betriebe ist die Wahl der Fütterungstechnik eine langfristige Investitionsentscheidung. Neben den Anschaffungskosten spielen insbesondere Energieverbrauch, Arbeitszeit und laufende Betriebskosten eine entscheidende Rolle. Eine Beispielrechnung für einen Milchviehbetrieb mit 400 Kühen zeigt, welches wirtschaftliche Potenzial in der Kombination aus elektrischer Fütterungstechnik, Photovoltaik und Stromspeicher steckt.
Zwei Konzepte – ein Ziel: 400 Kühe effizient versorgen
Ausgangspunkt des Vergleichs ist ein Milchviehbetrieb mit 400 Kühen und einem täglichen Futterbedarf von 24 Tonnen. Betrachtet werden zwei unterschiedliche technische Lösungen:
Konzept 1: Stationäre, elektrisch betriebene Fütterungsanlage
Das erste Konzept kombiniert einen stationären Futtermischer BvL V-MIX FIX 27-2S mit zwei automatisierten Futterverteilrobotern Shuttle Eco von Wasserbauer. Ein elektrischer 8-Tonnen-Radlader übernimmt das Beladen des Mischers.
Die Energieversorgung erfolgt über eine Photovoltaikanlage mit 110 kWp Leistung und einen STODIA-Batteriespeicher mit 180 kWh Kapazität. Der erzeugte Solarstrom kann direkt von den elektrischen Verbrauchern genutzt oder für eine spätere Verwendung gespeichert werden. Bei Bedarf wird zusätzlicher Strom aus dem Netz bezogen.
So entsteht ein aufeinander abgestimmtes System aus Fütterungstechnik, Automatisierung und eigener Energieversorgung.
Konzept 2: Dieselbetriebener Selbstfahrer
Als Vergleich dient ein BvL V-MIX DRIVE Maximus 21-2S. Der selbstfahrende Futtermischwagen übernimmt das Entnehmen, Mischen und Verteilen des Futters in einer Maschine. Zusätzlich kann man mit dem Selbstfahrer, mit einem Strohgebläse ausgestattet, das Einstreuen des Liegebereichs erledigen. Im ersten Konzept wäre hier eine zusätzliche technische Lösung möglich: Zum Beispiel vollautomatisiert mit dem Wasserbauer FlyPit.
Das Konzept setzt auf einen dieselbetriebenen Antrieb. Für die Berechnung werden eine tägliche Einsatzzeit von drei Stunden, ein Verbrauch von 15 Litern Diesel pro Stunde und ein Dieselpreis von 2,25 € pro Liter angesetzt.

Wirtschaftlichkeit: Höhere Investition, geringere laufende Kosten
Bei den Anschaffungskosten liegt der Selbstfahrer zunächst vorn. Die Investition beträgt 250.000 €, während für die stationäre Fütterungsanlage einschließlich der beiden Fütterungsroboter und des Elektro-Radladers zunächst 380.000 € angesetzt werden.
Unter Berücksichtigung einer Energieeffizienzförderung von 76.000 € (Stand November 2026) reduziert sich die berücksichtigte Investitionssumme des stationären Konzepts auf 304.000 €.
Entscheidend wird der Unterschied bei den jährlichen Kosten. Die Kalkulation berücksichtigt die Abschreibung über zehn Jahre, die Energieversorgung sowie die angesetzten Lohnkosten.
Kostenposition pro Jahr | Stationäres Konzept | Selbstfahrer |
Abschreibung | 30.400 € | 25.000 € |
Energie | 10.635 € | 36.956 € |
Lohnkosten | 29.200 € | 43.800 € |
Gesamtkosten | 70.235 € | 105.756 € |
Damit ergibt sich im betrachteten Beispiel ein jährlicher Kostenvorteil von 35.521 € für die stationäre Fütterungsanlage. Das entspricht rund 34 % geringeren jährlichen Kosten gegenüber dem dieselbetriebenen Selbstfahrer.
Photovoltaik und Stromspeicher als Teil des Fütterungskonzepts
Ein wesentlicher Vorteil der elektrischen Fütterung liegt in der Möglichkeit, selbst erzeugten Solarstrom für die täglichen Arbeitsabläufe einzusetzen.
Für das stationäre Konzept wird ein täglicher Strombedarf von 200 kWh für das Mischen und Verteilen des Futters angenommen. Hinzu kommen 30 kWh für den Elektro-Radlader.
Die Photovoltaikanlage liefert die Energie direkt an die Verbraucher. Der STODIA-Batteriespeicher ermöglicht darüber hinaus, überschüssigen Solarstrom zwischenzuspeichern und zeitversetzt zu nutzen. Dadurch lässt sich der Eigenverbrauch des erzeugten Stroms erhöhen und der Netzstrombezug reduzieren.
Für die Beispielrechnung werden jährliche Energiekosten von 10.635 € angesetzt. Darin berücksichtigt sind die Energieversorgung über PV-Anlage und Speicher sowie der verbleibende Stromzukauf. Die zugrunde liegende Energiekostenbetrachtung erstreckt sich über 20 Jahre.
Automatisierung reduziert den Arbeitsaufwand
Neben den Energiekosten beeinflusst der Personalbedarf die Wirtschaftlichkeit erheblich.
Bei der stationären Fütterungsanlage erfolgt das Mischen und Verteilen weitgehend automatisiert. Für die Kalkulation werden zwei Stunden täglicher Personaleinsatz berücksichtigt, insbesondere für das Beladen mit dem Elektro-Radlader.
Beim Selbstfahrer werden drei Stunden tägliche Arbeitszeit für Entnehmen, Mischen und Austragen des Futters angesetzt.
Diese Differenz wirkt sich unmittelbar auf die kalkulierten Lohnkosten aus: Während beim stationären Konzept 29.200 € pro Jahr angesetzt werden, sind es beim Selbstfahrer 43.800 €. Ein zusätzlicher Vorteil der stationären Fütterungsanlage besteht darin, dass der Wasserbauer Shuttle Eco regelmäßig frisch Futter vorlegt und anschiebt. Die Selbstfahrer-Lösung erfordert eine zusätzliche Maßnahme zum Futteranschieben, zum Beispiel mit dem Wasserbauer Buttler Gold. Anschieben von Hand oder mit dem Hoflader bindet zusätzliche Arbeitszeit.
Das passende Fütterungskonzept ist eine Frage des Gesamtsystems
Der Vergleich zeigt, dass die Anschaffungskosten allein kein ausreichender Maßstab für die Wirtschaftlichkeit moderner Fütterungstechnik sind.
Gerade die Kombination aus elektrischen Maschinen, automatisierten Abläufen und intelligenter Energieversorgung bietet interessante Möglichkeiten, die laufenden Betriebskosten zu reduzieren.
Welche Lösung für einen Betrieb wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt jedoch von den individuellen Rahmenbedingungen ab. Dazu gehören unter anderem Tierbestand, Futtermenge, vorhandene Infrastruktur, Arbeitsorganisation, Energiebedarf und mögliche Förderungen.
Kurzenknabe GmbH – Landtechnik, Bauen und Energie aus einer Hand
Wir betrachten landwirtschaftliche Technik und Energieversorgung gemeinsam. Zusammen mit unseren Partnern BvL, Wasserbauer und STODIA unterstützen wir landwirtschaftliche Betriebe dabei, passende Lösungen für ihre Fütterungs- und Energieversorgung zu entwicke
ln.
Sie möchten wissen, welches Potenzial in Ihrem Betrieb steckt? Sprechen Sie uns an. Wir beraten Sie gerne zu Fütterungstechnik, Automatisierung, Photovoltaik und Stromspeichern.
Hinweis zur Berechnung: Die dargestellten Ergebnisse basieren auf einer beispielhaften Modellrechnung für einen Milchviehbetrieb mit 400 Kühen (Stand November 2026). Angesetzte Kosten, Arbeitszeiten, Energiepreise und Förderungen können je nach Betrieb abweichen. Die Abschreibung erfolgt über zehn Jahre, die Energiekostenbetrachtung für das stationäre Konzept über 20 Jahre. Die dargestellte Förderung ist eine Annahme der Beispielrechnung und im Einzelfall auf Verfügbarkeit und Förderfähigkeit zu prüfen.
